Prostatazentrum Berlin-Mitte
im Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Die gutartige Prostatavergrößerung (BPH)
Definition:
Die Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
beschreibt die gutartige Vergrößerung der Prostata. Insbesondere die
Drüsenanteile, die um die Harnröhre angesiedelt sind
(Transitionalzone), zeigen eine Vergrößerung und können damit
durch Einengung (Obstruktion) der Harnröhre zu
Blasenentleerungsstörungen und charakteristischen Symptomen
führen.
Ursache und Epidemiologie:
Die Ursache der benignen
Prostatahyperplasie ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Hormonelle
Einflüsse, enzymatische Aktivitätsverschiebungen und veränderte
Verhältnisse zwischen den unterschiedlichen Gewebeanteilen der Prostata
(Drüsen- und Bindegewebsanteile) sind wichtige Prozesse, die bei jedem
gesunden Mann etwa ab dem 30. Lebensjahr zu einer gutartigen
Vergrößerung der Prostata führen.
Ab dem 75. Lebensjahr ist die Prostatavergrößerung dann bei nahezu
allen Männern nachweisbar. Die Vergrößerung der
Prostata an sich ist allerdings noch nicht als krankhaft zu werten. Nur wenn
sich aufgrund des Adenoms, d.h. des vergrößerten
Drüsenkörpers, Beschwerden beim Wasserlassen ergeben, spricht man
von therapiebedürftiger BPH oder besser vom benignen Prostata-Syndrom (BPS),
(s.u.).
Symptome:
Die typische Symptome der gutartigen
Prostatavergrößerung werden heutzutage zum sogenannten BPS, dem
benignen Prostatasyndrom (Syndrom= Zusammenfassung mehrerer Symptome)
zuwammengefaßt. Das BPS setzt sich aus irritativen Beschwerden,
dem sogenannten "lower urinary tract syndrome" (LUTS) und
Entleerungssymptomen (obstruktive Beschwerden, BOO = "bladder outlet
obstruction") zusammen. Die eigentliche Vergrößerung der Prostata,
die nicht unbedingt Beschwerden verusachen muß, bezeichnet man als BPE,
"benign prostate enlargement.
| Speichersymptome | Entleerungssymptome |
| ständiger Harndrang | Harnstahlabschwächung |
| nächtliches Wasserlassen | verlängerte Zeit beim Wasserlassen |
| überfallsartiger Harndrang | Pressen beim Wasserlassen |
| Harnwegsinfekte | Restharngefühl |
Erst das Zusammenspiel aus der irritativen Symptomatik (LUTS), der Vergrößerung der Prostata (BPE) und der Verengung des Blasenausgangs bzw der Harnröhre (BOO) führen zum gutartigem Prostatasyndrom (BPS), das einer Behandlung bedarf.
Ein sehr gutes Instrument, um die Symptome der BPH zu erfassen ist der
IPSS–Fragebogen. Mit diesem Fragebogen können Patient und Arzt
den Schweregrad einer BPH gut abschätzen. Je nach Schweregrad werden 0-35
Punkte erreicht. Nach den IPSS-Werten werden Patienten mit milder Symptomatik
(IPSS <8) von solchen mit mittlerer (IPSS 8-19) und schwerer Symptomatik (IPSS
20-35) unterschieden. Eine Behandlungsindikation wird im Allgemeinen bei einem
IPSS-Wert über 7 gesehen.
Da die Blase gegen einen erhöhten Auslasswiderstand arbeiten muss,
führt dies über kurz oder lang zu einer reaktiven Verdickung der
Blasenwand. Dies kann zu einer Schädigung des Blasenmuskels und zu
charakteristischen Veränderungen der Blase führen. Man spricht dann von
einer Trabekelblase. Die Trabekel sind das bindegewebige Stützgerüst
der Blase, Muskulatur findet sich dann kaum noch. Durch den hohen Druck, der beim
Wasser lassen aufgewendet werden muss, entstehen zwischen den Trabekeln
Aussackungen (sog. Blasendivertikel). Die Blase kann nicht mehr vollständig
entleert werden. Das führt zu Restharn nach dem Wasser lassen. Dieser
Restharn führt zu den o.g. irritativen Symptomen und begünstigt die
Entstehung von Harnwegsinfekten und Blasensteinen.
Diagnostik:
Zur Diagnostik der BPH gehört an erster
Stelle die genaue Erhebung der meist wegweisenden Anamnese (Krankengeschichte und
akute Beschwerden), die Erfassung des Leidensdrucks sowie der
Symptomausprägung. Dazu hat sich der o.g. IPSS-Fragebogen als validiertes
Hilfsmittel bewährt.
Die körperliche Untersuchung schließt die digital rektale Untersuchung
durch den Arzt ein. Diese liefert einen guten Schätzwert für die
Größe der Prostata. Außerdem liefert sie dem Arzt wichtige
Informationen i.R. der Prostatakarzinomfrüherkennung. Laboruntersuchungen umfassen
den Urinstatus, die Nierenauscheidungsparameter sowie den PSA-Wert.
Die Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie) objektiviert das Ausmaß der
Harnstrahlabschwächung. Sie ist eine nicht invasive, unkomplizierte
Untersuchung, die in nahezu jeder urologischen Praxis durchgeführt
wird.
Eine weitere unverzichtbare Untersuchung ist die Sonografie des
Urogenitaltraktes. Sie erfasst mögliche Auswirkungen der
Prostatavergrößerung auf die Blase und den oberen Harntrakt.
Außerdem ist sie zur genaueren Bestimmung der Prostatagröße
wichtig. Eine spezielle Art des Ultraschalls ist der TRUS (transrektaler Ultraschall).
Beim TRUS wird eine Ultraschallsonde über das Rektum nah an die Prostata
geführt und ermöglicht eine sehr differenzierte Darstellung des
Organs.