Prostatazentrum Berlin-Mitte
im Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Die medikamentöse Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung
Macht sich eine Vergrößerung der Prostata durch Harnstrahlabschwächung, Verzögerung bis der erste Harnstrahl kommt, häufigen nächtlichen Harndrang, Restharn und andere Symptome bemerkbar, und fällt das Punkteergebnis des IPSS-Fragebogen entsprechend hoch aus, sollte man mit einer medikamentösen Therpie beginnen. Aber nicht immer müssen bei einer Beschwerdesymptomatik des BPS eine deutliche Vergößerung der Prostata vorliegen. Auch eine kleine Prostata kann Beschwerden machen, sowie eine große Prostata nicht unbedingt Symptome bedingen muß. Ebenso richtet sich die anzuwendende Therapie primär nach Symptomatik und Prostatagröße. Bei einem Harnverhalt, insbesondere unter medikamentöser Therapie, oder auch bei Bildung von Harnblasensteinen und immerwiederkehrenden Blutungen u.a., sollte jedoch eine operative Therapie erfolgen (s.dort) .
Phytotherapie (pflanzliche
Therapie)
Phytotherapie ist die
Anwendung von Extrakten verschiedener Pflanzen. In Deutschland sind
Präparate aus der Sägezahn-Palmenfrucht (Serenoa repens, Sabal
serrulata), Brennesselwurzel (Urtica dioica), Kürbissamen
(Cucurbita pepo), Roggenpollen (Secale cereale), Hypoxis
rooperi, Pinus und Picea erhältlich. Es gibt durchaus Hinweise auf die
Wirksamkeit von einigen dieser pflanzlichen Wirkstoffe. Aufgrund des Fehlens
aussagekräftiger klinischer Studien werden sie jedoch nicht mehr
durch die Krankenkassen erstattung.
Alpha-1-Rezeptorblocker (Antiadrenerge
Therapie)
Beispielsubstanzen: Alfuzosin, Doxazosin,
Tamsulosin, Terazosin
Die antiadrenerge Therapie ist die am weitesten verbreitete medikamentöse
Therapieform der BPH. Es gibt mehrere antiadrenerge Wirkstoffe, die alle
über einen ähnlichen Wirkmechanismus zu einer Verbesserung der
Symptomatik führen. Die Wirkung der alpha-1-Blocker beruht auf der Senkung
des Tonus (Spannung) der glatten Muskulatur des Blasenauslasses und der
Prostata. Die Spannung wird über sog. alpha-1-Rezeptoren vermittelt, die
durch die Medikamente blockiert werden. Charakteristisch für die
alpha-1-Rezeptorblocker ist der rasche Eintritt der maximalen Wirkung auf die
Symptome und die Dosisabhängigkeit von Wirkung und Nebenwirkung.
Mögliche Nebenwirkungen sind Abgeschlagenheit, Schwindel, Kopfschmerz und
Blutdruckabfälle.
5-alpha-Reduktasehemmer
Substanzen: Finasterid,
Dutasterid
Diese Wirkstoffe greifen in den Hormonhaushalt der Prostata ein. Sie
führen zur Hemmung des Enzyms 5-alpha-Reduktase, welches
Dihydrotestosteron (DHT) aus Testosteron synthetisiert. Dies führt zum
Absinken der intraprostatischen DHT-Konzentration, was langfristig eine
Drüsenvolumenreduktion bewirkt. Außerdem konnte für Finasterid
gezeigt werden, dass BPH-assoziierte Blutungen erfolgreich therapiert werden
können. 5-alpha-Reduktasehemmer werden i.d. R. bei großen
Prostatadrüsen (> 40ml) verschrieben.
Schwere Nebenwirkungen treten nicht auf. Gelegentlich wurde über eine
Verringerung des Ejakulatvolumens, eine Abnahme der Libido,
Potenzstörungen und Brustdüsenschwellungen berichtet.