Prostatazentrum Berlin-Mitte
im Bundeswehrkrankenhaus Berlin
"Watchful waiting" - kontrolliertes Beobachten - eine
Alternative?
Studien haben gezeigt, daß fast jeder Dritte, der das fünzigste Lebendsjahr überschritten hat, Träger eines Prostatakarzinoms ist. Aber nicht jedes dieser Karzinome führt unweigerlich zu einer Erkrankung. Nur ca. 17% erkranken und bei ca. 2,5% dieser Patientengruppe führt das Karzinom sogar zum Tod. Kein anderer Tumor trägt so offenkundig die Möglichkeit einer Übertherapie wie das Prostatakarzinom. Dieses kann so langsam wachsen, dass andere lebenslimitierende Faktoren, nämlich Lebenserwartung und/oder Begleiterkrankungen im Vordergrund stehen. Somit ergibt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Therapie, - welches Karzinom muß behandelt, also welches muß als signifikant bezeichnet werden - und welches als insifignikant und kann beobachtet werden. Viele Studien mit den unterschiedlichesten Untersuchungsparametern, wie z.B. PSA-wert, PSA-dichte, Anzahl positiver Stanzbiopsien, Gleason-Score, etc., und viele daraus resultierende sogenannte Nomogramme sollen eine mögliche Vorhersage bezüglich einer tumorbedingten Lebenserwartung erleichtern und somit die Entscheidung hinsichtlich eines möglichen "abwartenden Managements" untermauern. Derzeit gibt es kein Modell, das eine hundertprozentige Vohersage hisichtlich des individuellen Verlaufs eines Prostatakarzinoms zuläßt und das insignifikante vom aggressivem Karzinom unterscheiden kann.
Aber auch der derzeitige Stand der diagnostischen Möglichkeiten läßt häufig eine prätherapeutische hundertprozentige Einstufung eines Prostatakarzinoms nicht zu. Oftmals muß eine histologisch getroffene Diagnose nach einer operativen Therapie revidiert, also geändert werden. Die Feststellung eines aggressiveren Tumors oder eines lokal weiter fortgeschrittenen Tumorwachstums im Operationspräperat als zunächst erwartet, stellt aufgrund dieser prätherapeutischen diagnostischen Unzulänglichkeit die Instrumente einer genauen Vorhersage in Frage. Diverse internationale Studien zeigten einen zum Teil nicht akzeptablen Anteil an prätherapeutischen Fehleinschätzungen. Andere zeigten, dass hinsichtlich des weiteren therapeutischen Vorgehens folglich auch andere zu bewertende Gesichtspunkte eine wesentliche Rolle einnehmen. In die Entscheidungsfindung über eine mögliche "abwartende" Therapiestrategie muß neben der Progressionswahrscheinlichkeit des Tumors, dem Lebensalter und der Begleiterkrankungen, auch der Faktor Lebensqualität auf Dauer berücksichtigt werden.
Für viele, gerade jüngere Patienten stellt die Ungewissheit über einen möglichen Tumorprogress und die Unsicherheit den Zeitpunkt einer noch möglichen, kurativen Therapie zu verfehlen eine deutliche Einschränkung bzw. Verlust an Lebenqualität dar.
Eingangskriterien für eine kontrollierte Beobachtung sind:
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Die notwendigen Verlaufskontrollen mittels PSA-Wert-Kontrollen und der digitalen rektalen Untersuchung erfolgen zunächst in drei monatlichen Abständen für zwei Jahre, dann im Abstand von 6 Monaten. Eine Kontroll-Prostatastanzbiopsie muß nach einem Jahr und dann in dreijährigen Abständen zur erneuten Tumorgewebegewinnung erfolgen. Diese Untersuchungen sind erforderlich, um Anzeichen einer Änderung der Aggressivität oder der Fortschrittsgeschwindigkeit des Tumors rechtzeitig zu entdecken.
Bei einer PSA-Wert-Verdoppelungszeit bis zu drei Jahren und / oder einer Verschlechterung des feingeweblichen Befundes (Gleason ≥ 7 (4+3)) muß eine weitere Therapie durchgeführt werden.